April 2014. Flughafen Dheradun, Indien. Keine Ahnung wie oft ich in den letzten 10 Jahren in einem der wichtigsten und spannendsten Wachstumsmärkte der Erde unterwegs war. Es dürften bis an die hundert Male gewesen sein. Auch bei meiner jetzigen Reise habe ich mit mehr als 50 führenden Unternehmern, CEOs und spirituellen Leadern Gespräche über Leadership, Management und auch den Sinn des Lebens geführt.

2 brennende Fragen

Seit mehreren Jahren bin ich weltweit auf der Suche nach der Antwort auf zwei brennende Fragen:

  1. Welches sind die Erfolgsrezepte erfolgreicher und zufriedener Menschen?
  2. Wie können Leader deren maximale Energie am Arbeitsplatz mobilisieren? Nicht nur etwa um Unternehmen in einer globalisierten Welt voranzutreiben, sondern um auch die Welt mit all ihren grossen Herausforderungen nachhaltig mitzugestalten.

Bei einem ersten Besuch in einem grossen Unternehmen, welches in Neu Delhi elektronische Komponenten für Phillips produziert, staune ich, als führende Mitarbeitende mir sagen, dass sie bereits über 20 Jahre beim Unternehmen tätig sind. An einer Universitätsklinik im Norden Indiens dasselbe Bild: Führende Mitarbeitende bestätigen, dass sie auch nach 15 Jahren das Unternehmen auf keinen Fall wechseln würden. Bei einem der führenden Hersteller von Solarkollektoren treffe ich ähnliche Fälle an. In einem dynamischen Markt, in welchem Job-Hopping an der Tagesordnung steht, ist dies umso erstaunlicher.

Nach der Frage, warum die entsprechenden Mitarbeiter eine solch hohe emotionale Bindung zu ihren Unternehmen verspüren, höre ich Antworten wie:

„Ich fühle mich hier so wohl, wie zu Hause bei meiner Familie.“
„Es wird mir enorme Wertschätzung entgegengebracht.“
„Meine Leistung wird in höchstem Mass anerkannt und belohnt.“

Und immer wieder ragt ein Wort heraus:
Wertschätzung und Anerkennung.

Erstaunlicherweise sprechen nur wenige über Löhne und Boni. Der Fall Indien ist aus verschiedenen Gründen extrem spannend für unseren Arbeitsmarkt:

  1. Die Möglichkeiten in einem Markt mit 1.2 Milliarden Einwohnern und immer noch einem Wachstum von über 5 Prozent des BIP sind enorm. Das Risiko, dass Talente dem Unternehmen relativ schnell den Rücken kehren, ist viel höher als in einem Markt wie Europa, wo die Arbeitsmöglichkeiten nur begrenzt sind.
  2. Die nach wie vor weit verbreitete Managementmethode des Kommandierens und Kontrollierens, sowie die speziellen sozialen Strukturen, lassen auf den ersten Blick vermuten, dass man indische Mitarbeitende leicht zur Motivation „zwingen“ könnte.
  3. Trotz der in 1) und 2) genannten Faktoren haben indische Unternehmen sehr schnell verstanden und auch gelernt, die Mitarbeitenden auf besondere Weise zu binden.
  4. Viele Mitarbeitende, welche dem Unternehmen treu ergeben sind, attestieren ihren Vorgesetzten ein hohes Mass an Wertschätzung.
  5. Auch in Indien, wie in vielen anderen Kulturen, die ich persönlich kennengelernt habe, gehören Wertschätzung und Anerkennung zu denjenigen Faktoren, nach denen sich Mitarbeitende am meisten sehnen.

Aufgrund der obigen Faktoren und der Tatsache, dass bei uns mehr als 70 Prozent der Mitarbeitenden in Europa, keine echte Bindung mehr zum Unternehmen verspüren, ist es umso interessanter zu erfahren, wie ManagerInnen in Indien dem wichtigsten aller Ansprüche – Wertschätzung entgegenzubringen – gerecht werden:

Ehrliches & rasches Feedback

  • Mitarbeitende schätzen ein schnelles, ehrliches und vor allem kritisches Feedback. Sie wollen nicht in Watte gepackt werden.
  • Mitarbeitende suchen Verbesserungspotenziale. Gerade in einem Schwellenland wie Indien spürt man, dass Menschen regelrecht hungrig nach Wissen sind und sich verbessern wollen. Viele der ManagerInnen schrecken deshalb nicht davor zurück, Ihren Mitarbeitenden auf wertschätzende Art zu sagen, was sie besser tun können oder müssen.
  • Auch habe ich immer wieder den enormen Ehrgeiz unter indischen Mitarbeitenden verspürt – ein weiterer Faktor, welcher die Feedbackkultur fördert. Nicht umsonst gehören hartes Arbeiten und Ehrgeiz zu den herausstechend Erfolgsattributen von indischen Führungskräften an der Spitze von weltweit bedeutenden Konzernen.

Präsenz

Auch in grösseren Unternehmen sind die TopmanagerInnen ständig im Betrieb unterwegs, um ihre Mitarbeitenden und deren Arbeitsweise persönlich kennenzulernen. Auch Mitarbeitende hierzulande versichern mir, dass eine ehrliche „Präsenz“ des Chefs und Interesse fürs Gegenüber als echte Wertschätzung angesehen wird und oftmals mehr Wert ist alles andere.

Fürsorge, echtes Interesse an Mitarbeitern

Viele indische Führungskräfte haben erkannt, dass die Produktivität sowie emotionale Bindung nur dann funktionieren, wenn sie Privates mit Beruflichem verbinden. Viele unterstützen ihre Mitarbeitenden deshalb oft beim Lösen komplexer Probleme im Privaten. Sie bezahlen etwa die Schule für Kinder oder überbrücken andere finanzielle Engpässe. Auch bei persönlichen Schicksalsschlägen sind sie sogar im engeren Familienkreis prompt zur Stelle.

„Führen durch Freundschaft“

In Regierungskreisen, steht eine strenge Hierarchie immer noch an der Tagesordnung. Aber sogar dort habe ich ManagerInnen angetroffen, welche bestrebt sind, mit Mitarbeitenden eine enge emotionale Bindung aufzubauen. Dies etwa durch regelmässige Gespräche, freiwillige Informationsanlässe sowie eine Politik der offenen Türe.

Hohes Mass an Selbstvertrauen

Viele der ManagerInnen, die ich getroffen habe, sind gestandene und äusserst selbstischere Menschen. Einer der Gründe dafür sehe ich darin, dass sie sich intensiv in Selbstreflexion üben. Sie kehren ihre Aufmerksamkeit nach Innen und suchen nach Möglichkeiten, sich ständig zu verbessern. Oder sie reflektieren ihre Fehler, ohne andere zuerst zu beschuldigen.

Die Erkenntnisse aus Indien sind, zumindest für mich, nichts Neues. Doch einmal mehr realisiere ich, wie weit der Graben zwischen Theorie und effektiver Umsetzung sein kann. Die einfachsten Dinge sind manchmal die Schwierigsten. Antworten lassen sich einfach finden, sofern nur die richtigen Fragen gestellt werden. In diesem Falle lauten sie: Wie kann ich meinen Mitmenschen mehr Wertschätzung zeigen?

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