Die Spreu trennt sich bereits vom Weizen

Montag früh. Irgendwo in Europa. 20 SpitzenmanagerInnen aus Wirtschaft und Politik haben sich versammelt, um über einschneidende Massnahmen zu entscheiden, die einige brisante Projekte in Schieflage, endlich wieder auf Kurs bringen sollen. Die Bereitschaft 3-stellige Millionenbeträge freizugeben, um wieder neuen Schwung in die Sache zu bringen, ist hoch. Bei der Begrüssung der einzelnen Teilnehmenden trennt sich die Spreu bereits vom Weizen. Sagt doch schon der Händedruck viel über einen Menschen aus: von fest, über entschlossen bis schlaff und schwammig ist alles anzutreffen.

Einige wagen bei der Begrüssung den klaren Blick in die Augen, andere schielen verstohlen in eine Ecke und meiden, um jeden Preis den direkten Blickkontakt. Die Wahl des Sitzplatzes gibt weitere Aufschlüsse über die Persönlichkeiten. Eine Minderheit drängt bestimmt in die vordersten Reihen, andere kämpfen um die begehrten Plätze in den hinteren Reihen.

Mein Vortrag

Dann folgt die Präsentation der Schlüsselmassnahmen. Ich habe 30 Minuten Zeit, um die Resultate und wichtigsten Erkenntnisse einer Arbeitsgruppe aus Führung und Management schnell und konsumentengerecht auf den Punkt zu bringen.

  • Im Gegensatz zu meinen VorrednerInnen nehme ich mir die Mühe, aufzustehen und stelle mich vor die Menge, anstatt lustlos vor einem Laptop zu sitzen oder mich hinter dem Rednerpult zu verstecken.
  • Um die Aufmerksamkeit schnell zu wecken, beschränke ich mich pro Folie auf einen einzigen Kernsatz, ja manchmal auf ein einziges Wort.
  • Anstatt viele Worte und Sätze auf eine winzige Powerpoint-Folie zu quetschen, arbeite ich mit aussägekräftigen Bildern und Cartoons. Bilder sagen schliesslich mehr als 1000 Worte, insbesondere heutzutage, da alles schnell gehen soll. Das erhöht zudem die Spannung und Aufmerksamkeit. In dieser Hinsicht lasse ich mich seit Jahren von Garr Reynolds inspirieren, welcher Menschen immer wieder mit fantastischen Präsentationen begeistert. Es handelt sich in meinem Beispiel zwar nicht um einen Key Note Speech, sondern um einen Vortrag. Dennoch habe ich den Anspruch mit Spannung zu erzählen und nicht einfach nur etwas runter zu plappern. Also warte ich immer wieder mit spannenden Geschichten und Beispielen auf und halte so den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht.

3 Gruppen von Zuhörern

Trotz der Brisanz des Themas und meinen Anstrengungen die Menge zu inspirieren, kristallisieren sich schnell 3 Gruppen von Zuhörenden heraus.

Gruppe 1:
Die Personen in der vordersten Reihe sind nach vorne gebeugt, erhaschen schnell einen Blick auf meine Slides, wenden sich dann gespannt wieder meinen Worten zu und saugen alle Infos wie einen Schwamm auf.

Gruppe 2:
Diese Gruppe spielt mit ihren Handys. Gestresst laden sie wahrscheinlich ihre  letzten Mails runter oder informieren sich über andere wichtigere Dinge. Könnte auch sein, dass sie sich einer spannenden App widmen.

Gruppe 3:
Sie stecken konspirativ die Köpfe zusammen und diskutieren wohl ihre Tagesgeschäfte.

Fragerunde

Nach 30 Minuten Applaus. Es folgt die Fragerunde. Die einen schweigen; ihr Gesichtsausdruck zeigt, dass sie sich in erlauchter Gesellschaft lieber nicht exponieren möchten. Andere wiederum stellen Fragen, die bereits beantwortet wären, hätten sie doch nur richtig zugehört. Dann diejenigen die sich klar differenzieren, indem sie mutig und kritisch einige Schlussfolgerungen hinterfragen.

Abschluss

Dann der entscheidende Abschluss; obwohl alle bereits im Vorfeld bestens im Bild waren und das Arbeitsteam zuversichtlich, dass der definitive Entscheid nur noch eine Formsache sei, die grosse Überraschung: kein Entscheid! Man müsse die Unterlagen erst nochmals prüfen, man brauche mehr Bedenkzeit.

In der Zwischenzeit werden sicherlich zusätzliche BeraterInnen angeheuert und weitere Millionen fliessen den Bach runter.

Aufmerksame Beobachtende

Aufmerksame Beobachtende können in einer solchen Situation in weniger als 60 Minuten viel über das wahre Führungsverhalten von sogenannten Spitzenmanagern und -managerinnen lernen.

Ehrliche Frage: für welche der oben beschriebenen Gruppen von Personen aus Führung und Management würdest du gerne arbeiten?

  • Für jene, welche aktiv zuhören, dir während 60 Minuten ihre volle Aufmerksamkeit schenken und dadurch wahre Wertschätzung für das gesamte Umfeld bekunden, selbst wenn sie nicht mit allem einverstanden sind, was präsentiert wird?
  • Für jene, welche sich bewusst oder unbewusst abwenden und sich anderen Dingen widmen?

Lass mich eins klarstellen: die beschriebenen Gruppen verhalten sich im normalen Führungsalltag keineswegs anders. Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier. Je länger wir ein gewisses Führungsverhalten praktizieren, desto eher wird es zum festen Charakterbestandteil.

Ernte was du sähst

Paradoxerweise fragt sich gerade letztere Gruppe, warum ihnen nicht vertraut oder mehr Gehör geschenkt wird. Die Antwort liegt auf der Hand: Das universale Gesetz von Ursache und Wirkung gilt auch hier; sprich du erntest das, was du selbst sähst. In diesem Sinne tun wir gut daran, wenn wir andere so behandeln, wie wir gerne selbst behandelt werden wollen.

  • Wünscht du dir mehr Vertrauen? Dann schenk dir und vor allem anderen mehr Vertrauen.
  • Möchtest du mehr Wertschätzung erhalten? Dann schenk anderen mehr Wertschätzung. Hör zu, interessiere dich für andere(s), gib klares und ehrliches Feedback!

Hört sich alles ganz einfach an, doch wie die Praxis einmal mehr gezeigt hat, fällt es uns sehr oft schwer, gerade die einfachen und offensichtlichen Dinge zu praktizieren. Doch sehr oft sind es genau diese einfachen Dinge, die die grösste Wirkung erzeugen. Das gilt auch für eine WIRKUNGS-volle Führung.

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