Milliardenprojekt

Ein Milliardenprojekt. Kostenüberschreitung in Millionenhöhe, Zeitverzögerungen um Jahre. Der Kunde ruft mich, in der Hoffnung, dass ich einen radikalen Turnaround bewerkstelligen kann, grosse Veränderungen vornehme. Den Change kann ich nur anstossen, wenn ich mit den entsprechenden Kompetenzen ausgestattet werde. Also übernehme ich die Rolle als Gesamtprojektleiter.

Einige Stakeholder begrüssen den Wechsel, andere zeigen bereits von Anfang an grossen Widerstand. Mit Enthusiasmus und der nötigen Empathie nehme ich die Herkulesaufgabe in Angriff. Ich reorganisiere, führe neue Prozesse ein, wechsle wo notwendig Teammitglieder aus. Letzteres ist leider trotz aller Liebe nicht zu umgehen. Dank vereinten Anstrengungen nimmt das Projekt langsam eine Wende.

Widerstände

Doch innerhalb eines grösseren Baukonsortiums wachsen die Widerstände weiter an. Die typischen Symptome des Veränderungsmanagements treten auf: Angst, Zweifel, Widerstand, Lethargie, gegenseitige Angriffe und Beschuldigungen. Auch in einer führenden Funktion als Projektleiter in heikler Mission kann es schon mal passieren, dass ich die Nerven verliere.

Nachdem ich in unzähligen Meetings mit all meinem Können und Wissen, persönlichen Gesprächen, Ressourcen-orientiertem Denken, mentalen Techniken etc. immer noch keine Einigung erreiche, haue ich buchstäblich auf den Tisch. Doch nach einem kurzen Aufschrecken verhärten sich die Fronten sofort wieder.

Selbstentwaffnung

Ich bereue mein Überreagieren. Vielleicht aus Frustration, Verzweiflung oder weil ich an Antriebskraft verliere? Aber in den nachfolgenden Meetings beginne ich Druck rauszunehmen und wage endlich, über meine persönlichen Gefühle zu sprechen: „ ich fühle mich schlecht, da …“, „ Ich bin verzweifelt, weil …“ „Ich bin traurig …“.

Es braucht Mut, sich mit solchen Worten verletzlich zu machen und noch mehr Angriffsfläche zu bieten, doch es ist echt und genau das bringt die grosse Wende.

Nachhaltige Veränderungen

Wochen nachdem ich es endlich gewagt habe über meine eigenen Gefühle zu sprechen, kommt die grosse Wende. Nachdem ich mich buchstäblich entwaffnet habe, anstelle Kraft meines Amtes künstlichen Druck auszuüben. Die Partner raufen sich endlich zusammen. Führen seit Jahren die ersten konstruktiven Gespräche, sind gar bereit zur Kooperation. Das, was mich anfangs viel Überwindung gekostet hat, mich selbst zu entwaffnen, erweist sich mittlerweile als mächtigstes Instrument zur nachhaltigen Veränderung.

Den Teilnehmern in meinen Solution Workshops, Coachings und Seminaren sage ich oft: “Mut bedeutet, sein Licht voll zum Strahlen zu bringen um andere mit Echtheit zu bewegen. Dazu gehören eben auch Emotionen sowie die Grösse, seine Ecken, Kanten und Schwächen zu zeigen.“

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